Dieser Tag

Dieser Tag

Ich werfe den Motor an. Das Baby Mädchen neben mir beruhigt sich und schläft nach wenigen Sekunden ein.
„O Auto, du mein bester Freund“, denke ich.
Ich atme zwei Mal tief durch. Was für ein Tag.  Ich atme. Endlich einen Moment Ruhe.

Moment vorbei.
„Sike“, fordert die Rückbank.
„Nein, jetzt gibt es keine Musik. Mama braucht jetzt einen Moment Ruhe“
„Mama, Kinder Sike!“, beharrt die Rückbank.
„Nein, es ist mir zu viel jetzt. Lies doch ein Buch“ Ich reiche, den Blick auf die Straße gerichtet, tastend eines nach hinten.
„Nei, nei, nei! Sike! Kinder Sike! Mama, sike!“ Das Buch segelt mir gegen die Schulter.
„Dann trink halt etwas, es ist mir egal, ich kann jetzt keine Musik brauchen.“ Ich reiche gereizt den Becher nach hinten. Im selben Moment liegt er auch schon auf dem Boden.
„Mama, dinken. Dinken. Mama dinken.“
Mein Stress Level steigt.
„Gerade habe ich dir den Becher gegeben. Du hast ihn runter geworfen. Da komme ich jetzt auch nicht mehr ran.“
„Mama, sike! Kinder sike! Mama!“
„Livi, ich hab nein gesagt. Es ist mir zu viel!“
Es ist mir alles zu viel. Dieser Tag. Alles.
Die Rückbank bricht in Tränen aus.
„Mama, sike! Mama! Mama!“
Ich schimpfe: „Hör auf zu weinen. Hör sofort auf zu weinen.“ Mein Blick fällt panisch auf den Sitz neben mir. „Und schrei nicht so, sonst ist Tali gleich wieder wach. Hör sofort auf zu weinen!“

Kraftlosigkeit. Kontrollverlust. Freier Fall.
Mein Schreien geht in ein Schluchzen über.
Dieser Tag. Ich kann nicht mehr.
Ich weine. Hemmungslos. Laut.
Die Rückbank ist plötzlich muchsmäuschen still.
Die Stille schreit mich an: „Hör auf zu weinen! Hör sofort auf zu weinen!“
Meine Worte.
Ein Schlag ins Gesicht.

„Mama?“ Angst liegt in ihrer Stimme.
„Mama, Arm nehmen.“
Ich fahre ran.
Wir sitzen auf dem Rinnstein zwischen Zigarettenstummeln und Glasscherben.
Mama weint.
„Eueueu, Mama, schau, Mülleaudo.“
Mama schaut.
„Eueueu. So groß.“ Livi lacht.
Ich drück sie an mich.
„Du, es tut mir leid.“
„Ja, Mama, da Mülleaudo.“
„Livi. Lass dir von niemanden deine Gefühle verbieten. Ja. Niemals! Du darfst weinen. Immer. Überall. Wenn du so fühlst.“
„Mama, Mülleaudo laud, so laud.“
„Gefällt dir das Müllauto?“
„Ja!“ Meine Zweijährige strahlt.

Wir steigen ins Auto. Der Motor läuft. Das Baby neben mir fängt an zu schreien.
Ich schalte die Musik an.

In Schubladen denken

In Schubladen denken

Ein Bild. Kein vollständiges. Aber eines, das mir hilft.

Mein Leben ist wie ein Apothekerschrank, vor dem ich auf und ab gehe. Viele viele Schubladen, mit vielen vielen Titeln. Labels. Zuschreibungen.
Manche davon stehen offen. Manche davon schon immer. Ich habe sie mir nicht ausgesucht. Andere kann ich öffnen. Andere nicht, auch wenn ich wollte.

Ab und zu erleben ich, dass andere Menschen versuchen mich in eine meiner Schubladen zu stecken und sie zu zu schieben. Vor lauter Schublade übersehen sie, dass diese Teil eines kompletten Schrankes ist und dass ich in eine einzige Schublade allein gar nicht hineinpasse.

Und doch, denke ich, vielleicht ist es ab und an auch Mal an der Zeit sich selbst in eine Schublade zu stecken. Vielleicht sogar eine neue. Vielleicht, um wieder einmal abzugrenzen woran ich eigentlich bin. Wo ich selbst stehe. Vielleicht, um dabei ganz neue Dinge zu entdecken.

Vor ein paar Wochen habe ich eine Schublade geöffnet, deren Betitelung mir bis dahin lange Zeit fremd, sogar abstoßend erschien.
Ein Titel, der, wie ich bis dahin glaubte, eigentlich nichts mit mir zu tun hat. Doch irgendwie war der Drang da mal hinein zu spickeln.

Und jetzt. Jetzt sitze ich in dieser Schublade und fühle mich überraschenderweise ganz schön wohl. Ich merke auf einmal, hinter dem Titel steckt viel mehr, als ich bisher dachte. Es scheint mir, als sei ich, ohne es zu wissen mein Leben lang auf der Suche nach dieser Schublade an meinen Schrank gewesen.
Ich habe mir sagen lassen 20% aller Menschen haben diese Schublade an ihrem Schrank, manche davon durchgehend geöffnet. Und das zu hören tut gut.

Hier sitzen mit mir viele viele andere. Andere von denen ich lernen darf. Andere, die mir erzählen, wie ihnen diese Schublade für den ganzen Schrank eine Bereicherung sein kann. Dass es sich lohnt diese Schublade besser kennen zu lernen und  dass ich mich nicht dafür schämen muss, dass sie an meinem Schrank überhaupt existiert.

Es scheint mir als eröffne mir diese Schublade die Möglichkeit das ganze Schranksystem ein wenig besser zu verstehen. Und wenn nicht verstehen, dann vielleicht Schritt für Schritt ihn wenigstens ein bisschen mehr anzunehmen, so wie er ist. Immer mit dem Wissen: Diese Schublade bin nicht ich. Aber sie ist ein Teil von mir. Und das ist okay. Und völlig normal. Irgendwie befreiend.

Vielleicht muss ich noch ein bisschen an ihrem Titel rum kratzen, da mir dieser immer noch nicht gefällt. Oder vielleicht übermale ich ihn einfach mit Blumen, denn die tun mir immer gut.

Vielleicht ist es ab und an auch Mal an der Zeit sich selbst in eine Schublade zu stecken. Vielleicht sogar eine neue. Vielleicht, um wieder einmal abzugrenzen woran ich eigentlich bin. Wo ich selbst stehe. Vielleicht, um dabei ganz neue Dinge zu entdecken.

Neues von der Super-Mom

Neues von der Super-Mom

Mein Mann verstand die Welt nicht mehr, als ich gestern Abend, weinend in seinem Arm auf dem Sofa erklärte, dass ich die falschen Schnuller für unsere Jüngste ausgesucht hatte. Dass sie nun wohl einen Schaden davon tragen würde. Und ich war Schuld. Ich wollte es doch so richtig machen. So wie immer.

Es war mir überhaupt schon schwer gefallen mich zu einem Schnuller durchzuringen. Meine Hebamme warnte vor Saugverwirrung und auch das Internet ergab ganz klar: Am besten ist ohne!

Bei Nr. 1 „Anfängerbaby“ waren wir quasi gar nicht auf die Idee gekommen einen Sauger anzubieten. Aber Nr. 2, viel geplagt von Bauchschmerzen und Co., war nach einigen Tagen schon ganz offensichtlich ein klassisches Schnullerbaby.

Ich informierte mich. Der Fokus war ganz klar gesetzt: Kein Risiko mit dem Stillen eingehen! Daher entschied ich mich, zusätzlich aus ökologischen und auch optischen Gründen, für einen Schnuller in kirschsauger Form.

Das Kind liebt ihn. Am liebsten Tag und Nacht. Er tut ihr gut und uns auch. Zudem entlastet er meine Brust, die nach 12 Wochen immer noch mindestens alle zwei Stunden aufgesucht wird.

Alles gut. Dachte ich. Bis gestern Abend.
Ausgerechnet auf einen Schlag laß ich auf drei unterschiedlichen Seiten Kommentare von Mamas die ausdrücklich andere Frauen vor diesen Schnullern warnten. Sofort fühlte ich mich direkt angesprochen. Großer Druck auf den Gaumen. Kieferfehlstellung. Schiefe Zähne. …

Ich war schockiert. Von mir selbst. Wie konnte ich meinem Kind nur soetwas antun. Und dann hatte ich ihn am selben Tag, nur vor wenigen Stunden, auf Nachfrage hin, sogar noch weiterempfohlen.

Wenn das Gefühlskarussell einmal kreist, dann ist es schwer auszusteigen. Da hilft mir auch kein: „Nimm es dir nicht so zu Herzen.“
Also sitze ich da und weine. Weine darüber, dass ich so eine furchtbar schlechte Mutter bin. Weine darüber, dass ich meinem Kind einen gefährlichen Schnuller gegeben habe und dass sie jetzt auch noch weint, weil ich ihn ihr soeben wieder weggenommen habe.

Eigentlich weiß ich es und doch bin ich froh, dass mein Mann es mir in diesem Moment noch einmal sagte. Was in vielen Momenten meine Stärke ist, wird schnell zu meiner größten Schwäche. Und das ist ok. Und muss auch nicht verstanden werden von anderen. Es ist nicht falsch. Aber es braucht Raum. Für den Moment.

Und dann, wenn das Karussell wieder langsamer wird und ich es schaffe abzusteigen, dann weiß ich. Ich bin nicht Super-Mom, auch wenn ich es gern wäre. Und das ist okay. Einmal durchschnaufen. Gnade empfangen. Denn genau dafür ist sie da. Für meinen kleinen, lächerlichen Mama-Fehler-Alltag. Und dann weiter machen. Nicht aus eigener Kraft. Nicht perfekt.

Wir haben versucht ihr in der Nacht einen „kiefergerechten Schnuller “ unterzujubeln. Sie mag ihn nicht. Sie will den „gefährlichen“. Und ich geb ihn ihr. Reduziert. Aber befreit.

Wunderschön „langweiliger“ Geburtsbericht

Wunderschön „langweiliger“ Geburtsbericht

Die Geburt unserer zweiten Tochter

Freitag Spätnachmittag. Wir sitzen im Auto auf dem Weg ins Kino. Ich witzele: „Von mir aus könnte es jetzt sofort losgehen. Dann schaffen wir es auf jeden Fall auch in die Klinik, immerhin haben wir jetzt schon die Hälfte der Strecke und die Kliniktasche brauche ich ja eh nicht.“
Wir lachen. Noch.

Die Treppe im Parkhaus von U2 bis ins Erdgeschoss ist lang. Ich schnaufe, muss ein paar Mal stehen bleiben und witzele: „Treppensteigen soll ja bekanntlich Wehen fördern. Hahaha.“
Wir lachen. Noch.

In der Schlange an der Kinokasse. Mein Mann bestellt Nachos mit scharfer Soße. Ich witzele: „Du weißt schon, dass scharfes Essen Wehen anregen soll.“
Wir lachen. Noch.

Das Kino ist dreiviertelsleer. Der Film ist schön. Die Parkhausgebühren, für knappe drei Stunden, erschreckend teuer. Wir lassen uns die Laune nicht verderben und Lachen. Noch.

Zuhause schläft die große Tochter bereits. Die Oma verabschiedet sich. Es ist gerade erst halb neun. Ganz plötzlich überfällt mich eine unglaubliche Müdigkeit und ich beschließe jetzt sofort auf der Stelle ins Bett zu gehen.

Als ich aufwache ist es dunkel. Bestimmt schon früher Morgen, denke ich, so fühlt es sich an. Ich liege da, spüre in mich hinein. Irgendetwas fühlt sich komisch an. Ich spüre eine ganze Weile so vor mich hin. Vielleicht gehe ich einfach mal eine Runde prophylaktisch aufs Klo. Ich setze mich auf. Plötzlich alles nass. Ich sitze in einer riesigen Pfütze.

„Erik, meine Fruchtblase ist geplatzt!“
Mein Mann hebt sofort hellwach den Kopf: „Wie? Jetzt schon?“
„Erik, stell dir bloß vor, das ist jetzt so unwirklich, aber wahrscheinlich heute noch werden wir unser Baby in den Armen halten.“
Wir lachen. Immer noch!

Mein Blick wandert zur Uhr. Es ist gerade einmal kurz vor elf. Da habe ich mich ja ganz schön verschätzt.

Noch auf dem Weg ins Erdgeschoss höre ich schon die Tochter mir entgegen weinen. „Hm, blöd…“, denke ich etwas gestresst. Mein Mann versucht sie zu beruhigen, sie verlangt nach der Mama. Ich lege mich zu ihr ins Bett, während Erik, mit Hilfe meiner eigens für diesen Moment aufgestellten „fehlt-noch-für-Kreissaal-Herzchen-Liste“, den Koffer zu Ende packt.

„Sinnen!“ Ich singe. Drei Mal die vierte Strophe von „Der Mond ist aufgegangen“, wie mir befohlen. Während ich noch denke: „O man, das wird nichts, sie ist zu wach…“ fahre ich plötzlich, wie vom Blitz getroffen, aus dem Bett. Dieses Gefühl kenne ich. Jedoch nicht schon so früh und nicht bereits so stark. Gewissheit. Wehe! „Erik, ruf deine Mama an, sie soll kommen, es geht diesmal alles viel schneller.“

20 Minuten und zwei Wehen später steht die Oma wieder in der Tür. „War noch gar nicht schlafen gegangen“, lacht sie. Wir lassen sie und das erneut zu weinen begonnene Kleinkind mit einem mulmigen Gefühl zurück.

„Wohin jetzt?“, fragt mein Mann im Auto während er den Motor anwirft. Ich zögere keine Sekunde. Wunschklinik. 45 Minuten Fahrt. Wir rufen nicht vorher an. „Und wenn ich dort auf dem Gang gebären muss – wir wissen ja schon, dass es auch ohne Kreißsaal geht. Nein, ich will nirgendwo anderes hin.“

Erik fährt los. Wir bestätigen noch einmal einvernehmlich die Namenswahl. Die Straße ist frei. Nur 40 Minuten und fünf Wehen später klingeln wir an der Kreissaaltür.

„Wie kann ich Ihnen helfen?“

„Ich hatte einen Blasensprung.“

„Sicher?“

„Ja, sicher. Ist nicht der Erste.“

Sie lächelt.

„Ach wie schön, na dann kommen Sie doch mal rein.“

Es ist mucksmäuschenstill. Ungewöhnlich still. „Heute Nacht war tatsächlich bisher noch niemand da“, erzählt die Hebamme während wir ihr den Gang entlang folgen. Die Tür zu Vorbereitungszimmer Nr. 1 steht offen. Ich muss stehen bleiben. Erinnerungen wie Blitzlichter ziehen vor meinem inneren Auge vorbei. Hier kam vor eineinhalb Jahren die Große zur Welt. Dramatisch, mit langem Nachhall, aber behütet. Mir wird ganz plötzlich selig warm innendrin und ich weiß genau: Hier sind wir richtig.

Das CTG bestätigt mein Gefühl. Herztöne gut. Alle 8- 10 Minuten Wehen. Nicht besonders spektakulär. Aushaltbar.

„Wollen Sie sich vielleicht erstmal noch ein bisschen ausruhen?“ Es ist nach zwei Uhr morgens. Erik erhält ein zweites Bett. „Melden Sie sich einfach, wenn Sie etwas brauchen.“ Mein Mann versucht zu schlafen. Seine Frau quasselt ihn zu. Erste gewagte Eigenprognose: „Bis zum Frühstück. Naja vielleicht auch Mittagessen. Also bis heute Abend ist sie da. Spätestens. Oder?“

Es kitzelt mich in den Füßen. Bewegung. Eine Stunde gebe ich ihm. „Erik, ich muss hier raus. Lass uns Spazieren gehen.“ Die Klinik ist wie verlassen. Wir suchen das nächste Treppenhaus. Wie bestellt verkürzt sich die Wehen Frequenz auf drei Minuten. Ich bin freudig fasziniert. Stehen bleiben. Veratmen. „So habe ich mir das vorgestellt.“

Auf dem Flur treffen wir die Hebamme.

„Brauchen Sie wirklich nichts?“

„Nein, wirklich nicht.“

Mit den Schmerzen kommen Sie zurecht?

„Ja, alles gut.“

„Kann ich Ihnen irgendetwas Gutes tun? Vielleicht ein Bad?“

Ich überlege kurz: „Hm, ich weiß nicht, ob ich jetzt Wasser gebrauchen kann. Aber wenn es Ihnen nichts ausmacht, wenn ich sofort wieder die Wanne verlasse, wenn es mir nicht gefällt, dann würde ich das gerne probieren. Ich will keine unnötige Arbeit machen.“

Die Hebamme geleitet uns ins Bad. Während das Wasser einläuft begutachtet sie mich einige Minuten.

„Die kommen doch schon ganz schön häufig.“

„Ja.“

„Aber recht kurz.“

„Ja.“

„Vielleicht schreiben wir bevor Sie in die Wanne steigen noch ein CtG? Können Sie sich denn eine Geburt in der Wanne vorstellen?“

„Ähm…“

Es ist halb fünf. Die Wehen kommen ganz plötzlich Schlag auf Schlag. Die halbe Stunde CtG zieht sich ins unendliche. Muttermund 8 cm. Der Druck steigt.

„Bitte schieben Sie noch nicht mit, wir wollen ihn nicht verhärten.“

Okay. Ich konzentriere mich. Schnauben. Hilft.

Als ich endlich in die Wanne steige durchströmt mich Erleichterung.

„Ich gehe dann mal den Kreissaalvorbereiten.“ Sie geht.

Hier stehe ich nicht mehr auf, denke ich. Es braucht eine Weile bis ich registriere was los ist.

„Erik, ich glaube, ich habe keine Wehen mehr.“ Pause. Lange Pause. Plötzlich spüre ich den Kopf. Er drückt. Gewaltig. „Erik, ruf sie…“ Schnauben. „Sofort.“ Schnauben. „Das Baby kommt.“ Schnauben.

Sekunden später steht sie in der Tür. „Bitte, ich kann den Druck nicht mehr halten.“ Schnauben. Ich zittere am ganzen Körper. Sie reicht mir ein Handtuch und hilft mir aus dem Wasser.

„Der Flur ist leer. Na, dann machen Sie mal große Schritte, damit wir es noch in den Kreißsaal schaffen.“

Mit einem letzten großen Schritt erreiche ich den Kreißsaal. Die nächste Presswehe lässt mich vor dem Kreißbett in die Knie gehen. Schnauben. Zittern. Ich kauere auf dem Boden. Die Hebamme telefoniert.
„Darf ich immer noch nicht nachgeben? O bitte, es geht nicht mehr.“
Sie telefoniert. Immer noch. Nächste Presswehe.
Schnauben. Zittern. Jammern.

„Wollen Sie auf das Bett oder auf den Boden?“
Mir ganz egal. Boden.
Sie rollt eine Matte aus. Mein Mann schiebt mir einen Stuhl heran. Ich stütze mich ab.
Presswehe.
„Ich kann nicht mehr. Ich kann jetzt nicht mehr nicht mitgehen! Bitte, o bitte!“
„Na, dann schieben Sie doch mal mit!“
Die Erlösung. Endlich.
„Aber ich glaube, jetzt habe ich gar keine Wehen mehr…“
„O, das merken Sie schon, wenn wieder eine kommt.“

Pause. Es brennt. Ich registriere die Hebamme hinter mir.
„Was machen Sie da?“
„Na, ich würde mal meine Hand hinhalten, damit der Kopf gleich nicht auf den Boden dozt.“
Hat sie gerade Kopf gesagt? Jetzt schon? Das geht mir auf einmal jetzt doch alles ein bisschen schnell. Während ich noch denke, gleich ist es vorbei… Wehe.

Und da liegt sie. Unter mir. Den Rücken mir zugewandt und weint. Nein, sie wimmert. Ganz kläglich. Als wollte sie sagen: „Das ging auch mir jetzt ein bisschen schnell.“
In einer Wehe. Vom Kopf bis zum kleinen Zeh. Einfach so.

Ich zittere schon wieder. Verdrücke eine Träne vor Erleichterung.
„Darf ich sie hochnehmen?“
„Na klar. Achtung, sie ist rutschig.“
Mein Mann hilft mir.
Ich lege mich aufs Bett. Wir werden zugedeckt.
Das kleine Wesen in meinem Arm beruhigt sich langsam.
Ich halte sie ganz fest.
„Ich segne dich“, denke ich, „und du wirst ein Segen sein, mein Mädchen!“

Einleitende Worte zu einem wunderschön „langweiligen“ Geburtsbericht

Einleitende Worte zu einem wunderschön „langweiligen“ Geburtsbericht

Ich überlege seit Tagen, ob ich noch einen Geburtsbericht schreiben soll. Es mag vielleicht komisch klingen, aber wenn ich an Talis Geburt zurück denke, dann scheint sie mir zu glatt, zu perfekt, irgendwie zu „langweilig“ um überhaupt aufgeschrieben zu werden. Es scheint mir, als habe ich vieles bereits sowieso vergessen…

Die Geburt meiner ersten Tochter Livi hingegen beschäftigte mich Wochen, nein sogar Monate, jeden Tag aufs neue. Ich musste viele Male erzählen, schreiben, bearbeiten, voller Erfurcht und erfüllt von Dankbarkeit. Bis heute hat diese erste Geburt einen langen Nachhall, immer in dem Bewusstsein, dass das Leben dieses kleinen Mädchens keine Selbstverständlichkeit ist. Dass sie uns nach schlimmen Komplikationen aus Gnade allein geschenkt worden war, ganz ohne unser zutun. Wir konnten damals nur vertrauen und empfangen.Tatsächlich hatte dieses kleine Wunder uns, einfach nur durch sein kommen, in seinen ersten Wochen schon näher an Gott gebracht als wir es gefühlt vorher je gewesen waren.

Talis Geburt war anders: Schnell, relativ schmerzarm, komplikationslos. Man könnte sagen perfekt. Traumhaft. Wie sehr hatte ich mir diese zweite, so heilsame Geburt gewünscht, wie oft darum gebangt, wie oft darum gebeten.
Mein Mann fasste es die Tage einmal so zusammen: „Diese zweite Geburt brauchte keine Wunder, keinen Gott. Und verrückter Weise liegt genau darin wiederum ihre Nähe zu ihm. Sie ist eine einzige Gebetserhörung.“

Ich überlege seit Tagen, ob ich noch einen Geburtsbericht schreiben soll. Es mag vielleicht komisch klingen, aber wenn ich an Talis Geburt zurück denke, dann scheint sie mir irgendwie zu „langweilig“ um überhaupt aufgeschrieben zu werden. Doch wisst ihr was, genau dafür bin ich unendlich dankbar! Genau so sollte sie sein! Genau in der so ersehnten „Langeweile“ verbirgt sich das Wunder, begegne ich Gott. Vielleicht sollte ich schreiben, um genau das nicht zu vergessen.

Kann man einen Blog führen, wenn man eigentlich vor der Konsequenz Angst hat, dass jeder einen lesen kann?

Kann man einen Blog führen, wenn man eigentlich vor der Konsequenz Angst hat, dass jeder einen lesen kann?

Oder: Warum ich keine Angst mehr haben möchte!

Ich habe mich in letzter Zeit oft gefragt, warum ich eigentlich schreibe – also öffentlich – und ob es nicht besser wäre das Ganze wieder einzustellen. Grund dafür war vor allem eine mich schon seit Monaten beschäftigende Frage, die eigentlich für mich bereits Thema vor dem Beginn dieses Blogs war. Ich denke, ich kann für mich gut abschätzen, was ich von mir im Internet sehen will und was nicht. Aber: In welcher Form darf meine Tochter Teil meines Social Media „Auftritts“ und Teil meines Blogs sein?

Hier geht es für mich nicht nur, um ihren Namen oder ihr Gesicht, das viele Blogger von ihren Kindern zwar geheim halten, sondern auch oder vor allem, um ihren Charakter, ihr Erleben, ihr Sein an sich, das was ihr Gesicht und ihren Namen eigentlich überhaupt erst angreifbar und verletzlich macht. Was gebe ich preis und was nicht?

In welcher Form darf meine Tochter Teil meines Social Media „Auftritts“ und Teil meines Blogs sein?

Ich folge vielen Blogs und Accounts auf Instagram, da weiß ich zwar nicht den Namen des Kindes und habe von klein P, Q und R auch bisher immer nur ein halbes Gesicht, ein Auge oder Ohr gesehen, aber kenne trotzdem sein/ ihr Lieblingsessen, weiß wann er oder sie abends ins Bett geht und welches Lied ihm oder ihr dabei gesungen wird. Diese Accounts geben sehr viel preis. Zu viel? Da lese ich ganz wunderbare Traditionen und witzige Kindersprüche, bin beruhigt, dass klein S auch noch nicht krabbelt und ich mir um unser Mädchen wohl keine Sorgen machen muss. Auf der anderen Seite aber werden auch Krankheiten, schrullige Angewohnheiten, Ängste und private Details bekannt gegeben, oft unter dem so beliebten Hashtag #fürmehrrealitätaufinstagram, in der Annahme, das Kind sei durch die Zensur des Namens und des Gesichts geschützt. Da werde ich dann manchmal etwas stutzig…

Ich glaube nicht, dass ein grundsätzliches Problem darin besteht, dass Kinder in den Sozialen Medien auftauchen. Dass Kinder ein Gesicht und einen Namen haben. Kinder sind Teil dieser Welt, und sollten überall einen viel stärkeren und geliebten Platz einnehmen, was sie in den aller meisten Bereichen, ganz abseits der digitalen Medien, leider schon oft nicht tun. Im Gegenteil: Kind zu sein und ein Kind zu haben drängt einen heutzutage meist eher ins Abseits. So stellt für mich die reine Zensur des Gesichts meiner Tochter keine Lösung des Problems dar. Sie ist Teil meines Lebens und das prägend in allen Bereichen im Moment. Ich denke sogar, dass das Zensieren ihres Gesichts mich sogar daran hindert weiter aktiv immer aufs Neue nachzufragen, warum und aus welchen Motiven ich über meine Tochter schreibe oder ein Bild von ihr poste. Denn eine Annahme, denke ich ist grundsätzlich problematisch: Zu meinen, man sei im Internet anonym, oder hätte seine Bilder und Worte unter Kontrolle, auch wenn man sie in einem privaten Account veröffentlicht.

Ich denke, wir sollten, statt unsere Kinder nur optisch zu zensieren grundlegender überdenken, was wir im Internet schreiben und zeigen. Natürlich ganz besonders alles was mit unseren Kindern zu tun hat, ihren Namen, ihr Gesicht, ihren Charakter, wie sie sich entwickeln, was sie fühlen, vielleicht einmal sagen und denken, aber auch darüber hinaus alles andere, was ich hier schreibe, fühle und denke – ganz öffentlich für euch alle lesbar.

Ich denke, wir sollten, statt unsere Kinder nur optisch zu zensieren grundlegender überdenken, was wir im Internet schreiben und zeigen.

Oft tendiere ich dazu vor Unbekanntem Angst zu haben und mich daher komplett davor zu verschließen. Lieber keinen Fehler machen. Fast täglich bin ich bisher kurz davor gewesen meinen Blog zu löschen, dem Internet den Rücken zuzukehren. Ja, das ist eine Option, die ich habe. Die Angst davor, hier Fehler zu machen, ist groß. Die Angst davor, nicht die Kontrolle zu haben. Kann man einen Blog schreiben, wenn man eigentlich vor der Konsequenz Angst hat, dass Jeder einen lesen kann? Ich denke, ja. Ich möchte keine Angst mehr haben. Ich möchte dort anfangen, wo ich die Kontrolle habe und das ist die Kontrolle über das, was ich schreibe. Ja, das Internet hat für uns alle eine große Unbekannte, die einem schnell Angst einjagen kann. Und dennoch: Ich möchte nicht aus Angst heraus handeln, sondern aus Achtsamkeit, Vorsicht und Entschlossenheit.

Ich möchte dort anfangen, wo ich die Kontrolle habe und das ist die Kontrolle über das, was ich schreibe.

Damit dies vielleicht besser gelingen kann habe ich mit meinem Mann daher folgende Vereinbarung getroffen, die mir helfen soll achtsam zu bleiben, was Entscheidung zu Veröffentlichungen, ganz besonders im Zusammenhang mit unserer Tochter, angeht.
Bei Bildern, die ästhetisch ansprechend sind und dazu beitragen Inhalte zu unterstützen, die ich gerne herüberbringen möchte, steht einer Veröffentlichung eigentlich erst mal nichts im Wege. Grundsätzlich möchte ich, wenn ich über meine Tochter erzähle, egal ob hier oder auf der Straße, eine liebevolle Haltung dabei einnehmen.
Zusätzlich frage ich mich zum Beispiel mittlerweile vor einem neuen Post immer: Warum willst du diesen jetzt veröffentlichen? Hin und wieder passiert es mir, dass ich mich dabei selbst entlarve, es um Likes oder Herzen für meine wunderhübsche Tochter und damit mein Ego geht und ich lösche diese, wenn ich es nicht bereits vorher gemerkt habe, einige Minuten nach der Veröffentlichung direkt. Ich habe hier mittlerweile ein sehr gutes Gefühl entwickelt und mein schlechtes Gewissen schlägt sofort Alarm, wenn ich hier nicht ganz im Reinen mit mir bin.
Daher: Ich denke es ist wichtig grundsätzlich feinfühlig zu belieben, bei jedem neuen Beitrag und sich nicht mit einer Entscheidung „Zensur von Gesicht und Namen“ zufrieden zu geben, und unter dieser so verlockend scheinenden Anonymität alles Preis zu geben.

Grundsätzlich möchte ich, wenn ich über meine Tochter erzähle, egal ob hier oder auf der Straße, eine liebevolle Haltung dabei einnehmen.

Warum ich eigentlich schreibe? Vielleicht ist dieser Text alleine in sich wiederum schon eine Antwort auf diese Frage. Ich versuche Worte zu finden, für Dinge, die mich beschäftigen, umtreiben, mein Leben prägen, um daraus zu lernen, reflektieren, neu zu begreifen und vielleicht regt es dann hier auch den ein oder anderen zum Denken an – das wäre schön, denn gemeinsam denken und sich darüber austauschen, ist schöner als alleine.
Lernen durch erleben, bedenken, beschreiben und beschwätzen – jetzt gerade mal öffentlich mit euch, morgen sieht das vielleicht schon wieder anders aus, denn wisst ihr was gut ist: Ich kann jeden Tag neu diese Entscheidung treffen, was ich mit euch teilen will und was nicht.

Warum ich eigentlich schreibe? Vielleicht ist dieser Text alleine in sich wiederum schon eine Antwort auf diese Frage.

Wir handhabt es ihr das mit Veröffentlichungen von euch selbst und euren Kindern im Internet? Und überhaupt: Warum schreibt ihr hier?

Ein Kleid für Mich – DIY

Ein Kleid für Mich – DIY

Ich nähe seit eineinhalb Jahren. Es war Liebe auf den ersten Blick. Meine Nähmaschine schenkte mir mein Mann zu meinem zweiundzwanzigsten Geburtstag nichts ahnend, dass diese nur ein paar Wochen später die ersten Strampler für unser, im folgenden Jahr schlüpfendes Sommerbaby fabrizieren würde.
Von den auf Weihnachtsmärkten inspirierten handmade Ständen, wie so oft nach dem Motto: „Das kann ich auch selber“, brachte ich mir das Nähen, nach einer Grundlageneinführung meiner großen Schwester, von Kleidungsstück zu Kleidungsstück, von Größe 50 aufwärts wachsend, Schritt für Schritt, selber bei.

Es brauchte lange – um genau zu sein bis vor einem Monat – bis ich mich traute, das erste Mal nicht nur Kindersachen für unsere Livi, sondern ein Kleidungsstück für mich selbst zu nähen. Es entstand ein senfgelber Pullover, der mir bis heute, wenn ich ihn anziehe ein wohlig, warmes Gefühl im Bauch macht, obwohl er lange nicht perfekt ist. Und doch: Der erste Schritt in eine neue Ära des Nähens war gemacht.

So kam es, dass am Dienstag dieser Woche als mein Mann gegen halb sechs am Abend von der Arbeit nach Hause kommend, das Haus betrat, seine Tochter überreicht bekam mit den Worten: „Hier, halt Mal kurz, ich näh mir jetzt ein Kleid!“

Bereits am Wochenende zuvor hatte ich über eine Nähgruppe in einem sozialen Netzwerk nach Inspirationen für einen Schnitt gesucht und dort doch tatsächlich, den passenden Tipp für mein perfektes Schnittmuster bekommen. Es sollte ja schließlich nicht irgendein Kleid werden, sondern eines, das zu mir und vor allem meiner Figur passte.

Die „Mira“ von pattydoo erfüllte in jeder Hinsicht alle meine Kriterien. Durch die Wiener Nähte hatte sie ein figurbetontes Oberkleid, das von der Taille abwärts in einen schönen, weiteren Rock, mit ein paar schlichten Falten floss. Für die dreiviertel Ärmel entschied ich mich aus weiteren drei Ärmelvarianten.
Und da lag es nun ausgedruckt, in über 50 einzelnen DinA4 Seiten zerlegt, bereit geklebt, zugeschnitten und genäht zu werden.

Mein Mann, wenig überrascht, empfing seine Tochter mit offenen Armen und beschloss, meiner näheifernden Tunnelfokussierung zur Freude, sich um das Abendessen zu kümmern, worauf mir nur kurze Zeit später, unter Papierbergen des Schnittmusters vergraben, ein Döner angereichert wurde – hast du gut gekocht, Erik. 😉

Schnittmuster zuschneiden ist eine Plage und kostet mich beim ganzen Prozess des Nähens, vom Anfang bis zur Fertigstellung eines Kleidungsstücks, wohl mehr als die Hälfte der gesamten Zeit. Auch das Zuschneiden des Stoffes gehört für mich wohl eher zu den zweckmäßigen, als wirklich erfreulichen Tätigkeiten, in diesem. Und doch hatte dieser Stoff, den ich hier für mein neues Kleid zerschnitt eine etwas andere Geschichte als sonst.

Normalerweise kaufe ich meine Stoffe auf dem Stoffmarkt, im örtlichen Stoffladen oder bei meinem Onlineshop des Vertrauens. Dieser Wollstoff hatte jedoch erst auf Umwegen bis zu mir gefunden. Über zwei Hände und Nähfantasien hinweg, vermutlich bereits mehrfach als Projekt geplant und dann wieder verworfen, geduldig wartend auf seine eigentliche Bestimmung, mein Kleid. Tendenziell denke ich, dass ich ihn in einem Laden weder von seiner Optik, noch von seiner Beschaffenheit her, mitgenommen hätte und doch ist er ausgerechnet bei mir gelandet.
Sein handgeschriebenes Preisschild, das seinen Wert noch in D-Mark kund tut, lässt nur Bruchstücke seiner Geschichte erahnen. Nach der Wohnungsauflösung seiner Besitzerin und deren Umzug in ein Altersheim, landete er im Keller, der Nachbarin meiner Schwiegereltern, die uns nach einem Pläuschchen am Gartenzaun in ihrem Keller zwischen aufgereihten Kisten, befüllt mit  hunderten Metern anderer Stoffe, zusammen führte. Wir ahnten beide nicht, dass uns gemeinsam schon bald dieses wundervolle Projekt bevor stand.

Und knappe vier Stunden, ein Döner, zwei Tassen Tee und zum Glück nur einmaligem Baby wieder in den Schlaf schaukeln später, gegen 22 Uhr, war es dann so weit: Ich durfte mein fertiges Kleid in den Händen halten.

Wie sehr war ich überrascht von dem Ergebnis und bin ich heute noch. Dass mir die zufällige Stoffauswahl – es war nun Mal kein anderer da – so gefallen und dazu auch noch haargenau passen würde, das hatte ich so nicht erwarte. Daher freue ich mich nun um so mehr und bin gewiss einen neuen Lieblingsschnitt gefunden zu haben, der bestimmt noch Raum für weitere Frühlings- und Sommerkleider bietet.

Ein lieber Dank geht an meine lieben Schwestern, die mir bei einem kleinen Spaziergangs-Shooting diese schönen Bilder gemacht haben. 🙂

Aus seinem Arm

Aus seinem Arm

Als ich heute vor acht Monaten in den Wehen lag – nein besser, stand, lief und kreiste – hörte ich immer wieder die gleiche Abfolge eines Vorgangs durch die Wände aus den anliegenden Räumen in unser Zimmer schallen. Erst der Schrei einer Frau und nur einige Sekunden danach der eines Babys. Diese genaue Abfolge wiederholte sich vier, fünf, sechs Mal in den vielen Stunden, die wir in unserem Vorbereitungsraum verbrachten. Es war wie eine sehr eigene Melodie in meinen Ohren, die mir jedes Mal aufs neue ein Lächeln, in das ansonsten so angespannte Gesicht zauberte, und wie ein Bote in die nicht enden wollenden Wellen des Schmerzes hinein verkündete: „Auch du wirst früher oder später diesen Moment erleben. Der Moment, an dem es vollbracht ist.“ Es würde schlimm werden, ja, vermutlich würde ich vor Schmerz schreien, aber das war nicht das Ende der Melodie, nein, dann kamen ihre Töne, da war ich gewiss. Und es machte mir in diesem Moment Mut und Hoffnung.

Und wirklich, so war es. Sie kamen, ihre Töne, jedoch ganz anders als ich sie erwartet hatte. Mein Schrei, der so brav dem irdischen Geburts-Protokoll gefolgt war, wurde nicht erwidert von Lauten des Schmerzes, von der Stimme eines verängstigten, verloren kleinen Wesens, in dieser so fremden, neuen Welt. Nein, in ihrem klaren Blick, so friedlich, ruhig, ganz still, sang eine ganz andere Melodie. In diesen kleinen weit aufgerissenen, fast schwarzen Augen lag alles Wissen, nicht dieser, sondern der Welt, aus der sie gekommen waren. Es war mir, als sähe ich noch für einen Moment den Spiegel seines Antlitzes in ihren Augen schimmern. Sie kam direkt aus seinem Arm, hier in meinen Schoß, mir die Botschaft verkündend, dass alles woran ich glaubte, dass er, der die Liebe selbst ist, Wirklichkeit war!

Heute ist die Nudel acht Monate alt. Ihre strahlend blauen Augen erzählen oft von neuem Wissen, von Freude über neu erlerntes, über Zufriedenheit und Liebe. Jedoch erzählen sie auch so oft schon von Unverständnis, von Trauer, oder gar Schmerz. Sie ist zu einem Menschlein dieser Erde geworden – wie du und ich! Und mit jedem neuen Tag, den wir gemeinsam erleben dürfen, wird mir ein bisschen mehr bewusst, wie wenig es in meiner Macht steht, dass ihr Leben auf dieser Erde gelingt. Dass ihr Blick mehr Tage des Lichts als der der Dunkelheit erlebt. Dass die Tränen der Freude, mehr sein mögen, als die des Schmerzes und der Trauer.

Nein, es ist nicht in meiner Hand. Doch ich verspreche dir, mein Kind, bei allem was kommt, eines Tages werden deine Augen wieder voller Friede und vollkommener Freude erstrahlen, wie an diesem ersten Tag. Dann, wenn du ihm, aus dessen Arm du gekommen bist, wieder gegenübertrittst und seine Arme dich empfangen, noch offen, wie am Tage deines Abschiedes, nur auf dich wartend!

Buttermilch-Pancakes mit Heidelbeeren

Buttermilch-Pancakes mit Heidelbeeren

Eigentlich mag ich keine Pancakes. Für ein Frühstück sind mir die normalerweise zu fettig, zu klobig, zu schwer im Magen und überhaupt irgendwie einfach zu amerikanisch (das bitte jetzt nicht falsch verstehen 😉 ). So dachte ich sehr lange, bis ich dieses großartige Rezept entdeckte. Ich gebe zu, es hat mit den klassischen Pancakes, wie sie viele vermutlich kennen, nicht mehr ganz so viel zu tun, aber mir schmecken sie daher vermutlich, um so besser.
Durch die Beeren sind sie einfach super fruchtig und sehr leicht und kommen mit einem Löffelchen Honig gesüßt komplett ohne zusätzlichen Haushaltszucker aus, was für mich noch ein weiterer Bonus ist. Genau deshalb sind sie: Das perfekte Extra bei einem besonderen Frühstück und bei unseren Freunden und der Familie unglaublich beliebt.

Ich bin gespannt, ob sie euch genau so fabelhaft schmecken, wie uns!

Zutaten für zwei Portionen:

  • 125 g Heidelbeeren
  • 1 Ei
  • 100 g Mehl
  • 1 Teelöffel Backpulver
  • 150 ml Buttermilch
  • 1 Teelöffel Honig
  • 1 Prise Salz

Zubereitung:

  1. Entweder frische Heidelbeeren waschen oder welche aus der Tiefkühle auftauen lassen
  2. Eiweiß vom Eigelb trennen und mit Hilfe eines Handmixers mit der Prise Salz steifschlagen.
  3. Das Eigelb mit Mehl, Backpulver, Buttermilch und Honig glattrühren.
  4. Nun die Heidelbeeren und den Eischnee vorsichtig unter den Teig heben.
  5. In einer Pfanne etwas Fett erhitzen und mit einem Esslöffel kleine Teigkleckse hineingeben. Diese bei mittlerer Hitze auf beiden Seiten für ca. 1–2 Minuten goldbraun backen.
  6. Fertig! 🙂

Viel Spaß beim backen, wünscht
Jael

Tipp:Fertige Pancakes könnt ihr ganz einfach im vorgeheizten Ofen bei 50 °C auf einem Teller warm halten, bis der komplette Teig ausgebacken ist.

Guten Appetit! 🙂

Liebst du Beeren auch so sehr wie ich? Dann ist vielleicht diese Himbeer-Pudding-Hefeschnecke genau das Richtige für dich. Das Rezept gibt es gleich Hier!

Unser Scheibenturm aus Holz – DIY

Unser Scheibenturm aus Holz – DIY

Mein Mann hat Urlaub. Zehn Tage Resturlaub, die vor ein paar Wochen ganz plötzlich wie aus dem Nichts auftauchten und uns nun ganz überraschend wunderbare Stunden zu dritt Zuhause bescheren. Zeit zum ausschlafen, Zeit zum ausgiebig frühstücken, Zeit für lange Gespräche, Zeit zum spielen, Zeit zum basteln, nähen und werkeln. Eben für all die schönen Sachen, die im normalen Alltag oft nicht so ausgedehnt Platz finden.

So kam es, dass wir bei einem Stadtbummel an unserem ersten Urlaubsnachmittag an einem ganz wundervollen Holzspielzeugladen vorbei kamen. Ein kleiner Raum voll gestellt mit den schönsten Schätzen bis unter die Decke hin. Ich hätte am liebsten sofort alles für Livi gekauft. Das Puppenhaus, die Murmelbahn, den Bauernhof und alle Tiere dazu. Einfach alles! Ganz außer Acht der Tatsache, dass unsere sieben Monate alte Tochter wohl mit keinem dieser wunderbaren Dinge im Moment etwas anfangen konnte.
Und doch, nach einigem Suchen hatte ich tatsächlich etwas entdeckt, das nicht nur meines, sondern auch ihr Herz jetzt schon beglücken könnte. Ein kleiner farbig gestreifter Scheibenturm – natürlich aus Holz!

Stolz präsentierte ich ihn meinem Mann, der von all den schönen Dingen des Ladens nicht weniger angetan war als ich, jedoch von einer ganz anderen Seite – der technischen Perspektive – aus, wie sich sogleich heraus stellte.
„Den brauchen wir nicht kaufen, den bau ich dir selbst!“ verkündete mir mein lieber Mann, als wäre es das selbstverständlichste der Welt.
Naja, warum eigentlich nicht? Meinem Erik traue ich fast alles zu… 😉
Gesagt, getan, schließlich hatten wir ja Urlaub und Zeit für genau solche Sachen, die dem Herzen einfach Freude machen.

Während Erik den eigentlichen Bau des Turms übernahm, konzentrierte ich mich mehr auf die ästhetische Gestaltung des Endprodukts, sowie die Dokumentierung des Projekts und natürlich die Kinderbetreuung nebenher, damit alles seinen reibungslosen Ablauf nehmen konnte. 😉

Erik wählte für Livis Scheibenturm ein 27 mm dickes Buchenholz zur Verarbeitung aus. Es handelte sich hierbei um Holzreste, der wundervollen Eckbank, die er vor ungefähr einem Jahr für unser Esszimmer geschreinert hatte. Ich denke, ich muss euch diese in einem anderen Beitrag einmal näher zeigen. Sie ist wirklich ein Prachtstück und das Ganze aus der Hand eines Tontechnikers. 😉 Jedoch zurück zu unserem jetzigen Projekt: Buche gehört zu den Harthölzern und ist daher sehr widerstandsfähig, was für unseren Scheibenturm nur von Nutzen sein konnte.

Mit einer gewöhnlichen Lochsäge mit verschiedenen Einsätzen konnte Erik also sechs verschieden große Scheiben herstellen, deren Durchmesser von der Kleinsten 46 mm bis zur Größten 81 mm reichten.
Diese wurden im Anschluss mit der Schleifmaschine versäubert und das Mittelloch, welches durch die Lochsäge schon vorhanden war auf 14 mm aufgebohrt.

Die fertige Grundplatte.

Für die Grundplatte des Turmes sägte er aus Multiplex (Birken-Sperrholz) ein Quadrat zu, in welches wiederum in der Mitte ein Loch für die Fädelstange mit einer Standbohrmaschine gebohrt wurde.
Erik wollte mir an dieser Stelle ausführlichst erklären, warum eine Standbohrmaschine hier besser als eine Handbohrmaschine ist, verstanden habe ich es jedoch nicht so richtig. Jedenfalls sorgt die Standbohrmaschine für ein sauberes Loch und damit eine saugende Verbindung. Für weitere Details stelle ich euch gerne den Kontakt zu meinem Mann her. 😉
Mit einer Oberfräse bekam die Grundplatte auch noch abgerundete Kanten.

Zum Schluss wurde ein Rundstab mit 12 mm Durchmesser auf die benötigte Länge gekürzt, die Oberseite rundlich abgeschliffen und mit der Grundplatte verleimt.

Soweit war der Scheibenturm also fertig und unsere Livi durfte auch sofort eine Runde probe spielen.

Eine erste Runde probe spielen vor dem Anstrich – der Turm kommt gut an!

Rein optisch hätte ich den Turm ja am liebsten in diesem Naturzustand gelassen. Ich persönlich mag es sehr gern schlicht. Da wir ihn jedoch nicht für mich, sondern für Livi gebaut haben, beschlossen wir dem Turm noch einen kindgerechten Anstrich zu verpassen.
Nach einer kurzen Recherche, welche Farbe sich dafür wohl am besten eignen könnte, entschieden wir uns für Acryl PU Lack, der explizit für Kinderspielzeug zertifiziert ist und somit auch bei eventuellen Hungerattacken unserer Tochter keine Gefahr darstellen sollte. 😉

Hier trocknen die Holzscheiben in der Abendsonne.

Hier ist er nun, nach 12 Stunden Trockenzeit: Unser fertiger Scheibenturm aus Holz. Ein ganz besonderes Spielzeug für uns alle, in dem viel Zeit und Liebe steckt. Und immer wenn ich ihn nun betrachte, muss ich an diese wundervollen Urlaubstage denken, die uns so überraschend geschenkt wurden und ich bin dankbar für so schöne, intensive, kreative Familienzeit!
Schafft euch Erinnerungen!

Habt ihr auch schon einmal ein Spielzeug für eure Kinder selbst gebaut? Wenn ja, was genau und aus welchen Materialien? Wir sind jetzt Feuer und Flamme und freuen uns auf weiter Inspirationen in den Kommentaren. Der nächste Urlaub kommt bestimmt! 🙂