Einleitende Worte zu einem wunderschön „langweiligen“ Geburtsbericht

Einleitende Worte zu einem wunderschön „langweiligen“ Geburtsbericht

Ich überlege seit Tagen, ob ich noch einen Geburtsbericht schreiben soll. Es mag vielleicht komisch klingen, aber wenn ich an Talis Geburt zurück denke, dann scheint sie mir zu glatt, zu perfekt, irgendwie zu „langweilig“ um überhaupt aufgeschrieben zu werden. Es scheint mir, als habe ich vieles bereits sowieso vergessen…

Die Geburt meiner ersten Tochter Livi hingegen beschäftigte mich Wochen, nein sogar Monate, jeden Tag aufs neue. Ich musste viele Male erzählen, schreiben, bearbeiten, voller Erfurcht und erfüllt von Dankbarkeit. Bis heute hat diese erste Geburt einen langen Nachhall, immer in dem Bewusstsein, dass das Leben dieses kleinen Mädchens keine Selbstverständlichkeit ist. Dass sie uns nach schlimmen Komplikationen aus Gnade allein geschenkt worden war, ganz ohne unser zutun. Wir konnten damals nur vertrauen und empfangen.Tatsächlich hatte dieses kleine Wunder uns, einfach nur durch sein kommen, in seinen ersten Wochen schon näher an Gott gebracht als wir es gefühlt vorher je gewesen waren.

Talis Geburt war anders: Schnell, relativ schmerzarm, komplikationslos. Man könnte sagen perfekt. Traumhaft. Wie sehr hatte ich mir diese zweite, so heilsame Geburt gewünscht, wie oft darum gebangt, wie oft darum gebeten.
Mein Mann fasste es die Tage einmal so zusammen: „Diese zweite Geburt brauchte keine Wunder, keinen Gott. Und verrückter Weise liegt genau darin wiederum ihre Nähe zu ihm. Sie ist eine einzige Gebetserhörung.“

Ich überlege seit Tagen, ob ich noch einen Geburtsbericht schreiben soll. Es mag vielleicht komisch klingen, aber wenn ich an Talis Geburt zurück denke, dann scheint sie mir irgendwie zu „langweilig“ um überhaupt aufgeschrieben zu werden. Doch wisst ihr was, genau dafür bin ich unendlich dankbar! Genau so sollte sie sein! Genau in der so ersehnten „Langeweile“ verbirgt sich das Wunder, begegne ich Gott. Vielleicht sollte ich schreiben, um genau das nicht zu vergessen.

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