In Schubladen denken

In Schubladen denken

Ein Bild. Kein vollständiges. Aber eines, das mir hilft.

Mein Leben ist wie ein Apothekerschrank, vor dem ich auf und ab gehe. Viele viele Schubladen, mit vielen vielen Titeln. Labels. Zuschreibungen.
Manche davon stehen offen. Manche davon schon immer. Ich habe sie mir nicht ausgesucht. Andere kann ich öffnen. Andere nicht, auch wenn ich wollte.

Ab und zu erleben ich, dass andere Menschen versuchen mich in eine meiner Schubladen zu stecken und sie zu zu schieben. Vor lauter Schublade übersehen sie, dass diese Teil eines kompletten Schrankes ist und dass ich in eine einzige Schublade allein gar nicht hineinpasse.

Und doch, denke ich, vielleicht ist es ab und an auch Mal an der Zeit sich selbst in eine Schublade zu stecken. Vielleicht sogar eine neue. Vielleicht, um wieder einmal abzugrenzen woran ich eigentlich bin. Wo ich selbst stehe. Vielleicht, um dabei ganz neue Dinge zu entdecken.

Vor ein paar Wochen habe ich eine Schublade geöffnet, deren Betitelung mir bis dahin lange Zeit fremd, sogar abstoßend erschien.
Ein Titel, der, wie ich bis dahin glaubte, eigentlich nichts mit mir zu tun hat. Doch irgendwie war der Drang da mal hinein zu spickeln.

Und jetzt. Jetzt sitze ich in dieser Schublade und fühle mich überraschenderweise ganz schön wohl. Ich merke auf einmal, hinter dem Titel steckt viel mehr, als ich bisher dachte. Es scheint mir, als sei ich, ohne es zu wissen mein Leben lang auf der Suche nach dieser Schublade an meinen Schrank gewesen.
Ich habe mir sagen lassen 20% aller Menschen haben diese Schublade an ihrem Schrank, manche davon durchgehend geöffnet. Und das zu hören tut gut.

Hier sitzen mit mir viele viele andere. Andere von denen ich lernen darf. Andere, die mir erzählen, wie ihnen diese Schublade für den ganzen Schrank eine Bereicherung sein kann. Dass es sich lohnt diese Schublade besser kennen zu lernen und  dass ich mich nicht dafür schämen muss, dass sie an meinem Schrank überhaupt existiert.

Es scheint mir als eröffne mir diese Schublade die Möglichkeit das ganze Schranksystem ein wenig besser zu verstehen. Und wenn nicht verstehen, dann vielleicht Schritt für Schritt ihn wenigstens ein bisschen mehr anzunehmen, so wie er ist. Immer mit dem Wissen: Diese Schublade bin nicht ich. Aber sie ist ein Teil von mir. Und das ist okay. Und völlig normal. Irgendwie befreiend.

Vielleicht muss ich noch ein bisschen an ihrem Titel rum kratzen, da mir dieser immer noch nicht gefällt. Oder vielleicht übermale ich ihn einfach mit Blumen, denn die tun mir immer gut.

Vielleicht ist es ab und an auch Mal an der Zeit sich selbst in eine Schublade zu stecken. Vielleicht sogar eine neue. Vielleicht, um wieder einmal abzugrenzen woran ich eigentlich bin. Wo ich selbst stehe. Vielleicht, um dabei ganz neue Dinge zu entdecken.

3 Gedanken zu „In Schubladen denken

    1. Die einen nennen es „Hochsensibel“. Die anderen „Hochsensitiv“. Für mich passt der Begriff „Gefühlsstark“ am besten. Aber grundsätzlich mag ich sie eigentlich alle nicht, denn alles das dazu führt, dass mich jemand ausschließlich in diese Schublade steckt, lehne ich ab 😉

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