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Kategorie: Super-Mom

Dieser Tag

Dieser Tag

Ich werfe den Motor an. Das Baby Mädchen neben mir beruhigt sich und schläft nach wenigen Sekunden ein.
„O Auto, du mein bester Freund“, denke ich.
Ich atme zwei Mal tief durch. Was für ein Tag.  Ich atme. Endlich einen Moment Ruhe.

Moment vorbei.
„Sike“, fordert die Rückbank.
„Nein, jetzt gibt es keine Musik. Mama braucht jetzt einen Moment Ruhe“
„Mama, Kinder Sike!“, beharrt die Rückbank.
„Nein, es ist mir zu viel jetzt. Lies doch ein Buch“ Ich reiche, den Blick auf die Straße gerichtet, tastend eines nach hinten.
„Nei, nei, nei! Sike! Kinder Sike! Mama, sike!“ Das Buch segelt mir gegen die Schulter.
„Dann trink halt etwas, es ist mir egal, ich kann jetzt keine Musik brauchen.“ Ich reiche gereizt den Becher nach hinten. Im selben Moment liegt er auch schon auf dem Boden.
„Mama, dinken. Dinken. Mama dinken.“
Mein Stress Level steigt.
„Gerade habe ich dir den Becher gegeben. Du hast ihn runter geworfen. Da komme ich jetzt auch nicht mehr ran.“
„Mama, sike! Kinder sike! Mama!“
„Livi, ich hab nein gesagt. Es ist mir zu viel!“
Es ist mir alles zu viel. Dieser Tag. Alles.
Die Rückbank bricht in Tränen aus.
„Mama, sike! Mama! Mama!“
Ich schimpfe: „Hör auf zu weinen. Hör sofort auf zu weinen.“ Mein Blick fällt panisch auf den Sitz neben mir. „Und schrei nicht so, sonst ist Tali gleich wieder wach. Hör sofort auf zu weinen!“

Kraftlosigkeit. Kontrollverlust. Freier Fall.
Mein Schreien geht in ein Schluchzen über.
Dieser Tag. Ich kann nicht mehr.
Ich weine. Hemmungslos. Laut.
Die Rückbank ist plötzlich muchsmäuschen still.
Die Stille schreit mich an: „Hör auf zu weinen! Hör sofort auf zu weinen!“
Meine Worte.
Ein Schlag ins Gesicht.

„Mama?“ Angst liegt in ihrer Stimme.
„Mama, Arm nehmen.“
Ich fahre ran.
Wir sitzen auf dem Rinnstein zwischen Zigarettenstummeln und Glasscherben.
Mama weint.
„Eueueu, Mama, schau, Mülleaudo.“
Mama schaut.
„Eueueu. So groß.“ Livi lacht.
Ich drück sie an mich.
„Du, es tut mir leid.“
„Ja, Mama, da Mülleaudo.“
„Livi. Lass dir von niemanden deine Gefühle verbieten. Ja. Niemals! Du darfst weinen. Immer. Überall. Wenn du so fühlst.“
„Mama, Mülleaudo laud, so laud.“
„Gefällt dir das Müllauto?“
„Ja!“ Meine Zweijährige strahlt.

Wir steigen ins Auto. Der Motor läuft. Das Baby neben mir fängt an zu schreien.
Ich schalte die Musik an.

Neues von der Super-Mom

Neues von der Super-Mom

Mein Mann verstand die Welt nicht mehr, als ich gestern Abend, weinend in seinem Arm auf dem Sofa erklärte, dass ich die falschen Schnuller für unsere Jüngste ausgesucht hatte. Dass sie nun wohl einen Schaden davon tragen würde. Und ich war Schuld. Ich wollte es doch so richtig machen. So wie immer.

Es war mir überhaupt schon schwer gefallen mich zu einem Schnuller durchzuringen. Meine Hebamme warnte vor Saugverwirrung und auch das Internet ergab ganz klar: Am besten ist ohne!

Bei Nr. 1 „Anfängerbaby“ waren wir quasi gar nicht auf die Idee gekommen einen Sauger anzubieten. Aber Nr. 2, viel geplagt von Bauchschmerzen und Co., war nach einigen Tagen schon ganz offensichtlich ein klassisches Schnullerbaby.

Ich informierte mich. Der Fokus war ganz klar gesetzt: Kein Risiko mit dem Stillen eingehen! Daher entschied ich mich, zusätzlich aus ökologischen und auch optischen Gründen, für einen Schnuller in kirschsauger Form.

Das Kind liebt ihn. Am liebsten Tag und Nacht. Er tut ihr gut und uns auch. Zudem entlastet er meine Brust, die nach 12 Wochen immer noch mindestens alle zwei Stunden aufgesucht wird.

Alles gut. Dachte ich. Bis gestern Abend.
Ausgerechnet auf einen Schlag laß ich auf drei unterschiedlichen Seiten Kommentare von Mamas die ausdrücklich andere Frauen vor diesen Schnullern warnten. Sofort fühlte ich mich direkt angesprochen. Großer Druck auf den Gaumen. Kieferfehlstellung. Schiefe Zähne. …

Ich war schockiert. Von mir selbst. Wie konnte ich meinem Kind nur soetwas antun. Und dann hatte ich ihn am selben Tag, nur vor wenigen Stunden, auf Nachfrage hin, sogar noch weiterempfohlen.

Wenn das Gefühlskarussell einmal kreist, dann ist es schwer auszusteigen. Da hilft mir auch kein: „Nimm es dir nicht so zu Herzen.“
Also sitze ich da und weine. Weine darüber, dass ich so eine furchtbar schlechte Mutter bin. Weine darüber, dass ich meinem Kind einen gefährlichen Schnuller gegeben habe und dass sie jetzt auch noch weint, weil ich ihn ihr soeben wieder weggenommen habe.

Eigentlich weiß ich es und doch bin ich froh, dass mein Mann es mir in diesem Moment noch einmal sagte. Was in vielen Momenten meine Stärke ist, wird schnell zu meiner größten Schwäche. Und das ist ok. Und muss auch nicht verstanden werden von anderen. Es ist nicht falsch. Aber es braucht Raum. Für den Moment.

Und dann, wenn das Karussell wieder langsamer wird und ich es schaffe abzusteigen, dann weiß ich. Ich bin nicht Super-Mom, auch wenn ich es gern wäre. Und das ist okay. Einmal durchschnaufen. Gnade empfangen. Denn genau dafür ist sie da. Für meinen kleinen, lächerlichen Mama-Fehler-Alltag. Und dann weiter machen. Nicht aus eigener Kraft. Nicht perfekt.

Wir haben versucht ihr in der Nacht einen „kiefergerechten Schnuller “ unterzujubeln. Sie mag ihn nicht. Sie will den „gefährlichen“. Und ich geb ihn ihr. Reduziert. Aber befreit.

Kann man einen Blog führen, wenn man eigentlich vor der Konsequenz Angst hat, dass jeder einen lesen kann?

Kann man einen Blog führen, wenn man eigentlich vor der Konsequenz Angst hat, dass jeder einen lesen kann?

Oder: Warum ich keine Angst mehr haben möchte!

Ich habe mich in letzter Zeit oft gefragt, warum ich eigentlich schreibe – also öffentlich – und ob es nicht besser wäre das Ganze wieder einzustellen. Grund dafür war vor allem eine mich schon seit Monaten beschäftigende Frage, die eigentlich für mich bereits Thema vor dem Beginn dieses Blogs war. Ich denke, ich kann für mich gut abschätzen, was ich von mir im Internet sehen will und was nicht. Aber: In welcher Form darf meine Tochter Teil meines Social Media „Auftritts“ und Teil meines Blogs sein?

Hier geht es für mich nicht nur, um ihren Namen oder ihr Gesicht, das viele Blogger von ihren Kindern zwar geheim halten, sondern auch oder vor allem, um ihren Charakter, ihr Erleben, ihr Sein an sich, das was ihr Gesicht und ihren Namen eigentlich überhaupt erst angreifbar und verletzlich macht. Was gebe ich preis und was nicht?

In welcher Form darf meine Tochter Teil meines Social Media „Auftritts“ und Teil meines Blogs sein?

Ich folge vielen Blogs und Accounts auf Instagram, da weiß ich zwar nicht den Namen des Kindes und habe von klein P, Q und R auch bisher immer nur ein halbes Gesicht, ein Auge oder Ohr gesehen, aber kenne trotzdem sein/ ihr Lieblingsessen, weiß wann er oder sie abends ins Bett geht und welches Lied ihm oder ihr dabei gesungen wird. Diese Accounts geben sehr viel preis. Zu viel? Da lese ich ganz wunderbare Traditionen und witzige Kindersprüche, bin beruhigt, dass klein S auch noch nicht krabbelt und ich mir um unser Mädchen wohl keine Sorgen machen muss. Auf der anderen Seite aber werden auch Krankheiten, schrullige Angewohnheiten, Ängste und private Details bekannt gegeben, oft unter dem so beliebten Hashtag #fürmehrrealitätaufinstagram, in der Annahme, das Kind sei durch die Zensur des Namens und des Gesichts geschützt. Da werde ich dann manchmal etwas stutzig…

Ich glaube nicht, dass ein grundsätzliches Problem darin besteht, dass Kinder in den Sozialen Medien auftauchen. Dass Kinder ein Gesicht und einen Namen haben. Kinder sind Teil dieser Welt, und sollten überall einen viel stärkeren und geliebten Platz einnehmen, was sie in den aller meisten Bereichen, ganz abseits der digitalen Medien, leider schon oft nicht tun. Im Gegenteil: Kind zu sein und ein Kind zu haben drängt einen heutzutage meist eher ins Abseits. So stellt für mich die reine Zensur des Gesichts meiner Tochter keine Lösung des Problems dar. Sie ist Teil meines Lebens und das prägend in allen Bereichen im Moment. Ich denke sogar, dass das Zensieren ihres Gesichts mich sogar daran hindert weiter aktiv immer aufs Neue nachzufragen, warum und aus welchen Motiven ich über meine Tochter schreibe oder ein Bild von ihr poste. Denn eine Annahme, denke ich ist grundsätzlich problematisch: Zu meinen, man sei im Internet anonym, oder hätte seine Bilder und Worte unter Kontrolle, auch wenn man sie in einem privaten Account veröffentlicht.

Ich denke, wir sollten, statt unsere Kinder nur optisch zu zensieren grundlegender überdenken, was wir im Internet schreiben und zeigen. Natürlich ganz besonders alles was mit unseren Kindern zu tun hat, ihren Namen, ihr Gesicht, ihren Charakter, wie sie sich entwickeln, was sie fühlen, vielleicht einmal sagen und denken, aber auch darüber hinaus alles andere, was ich hier schreibe, fühle und denke – ganz öffentlich für euch alle lesbar.

Ich denke, wir sollten, statt unsere Kinder nur optisch zu zensieren grundlegender überdenken, was wir im Internet schreiben und zeigen.

Oft tendiere ich dazu vor Unbekanntem Angst zu haben und mich daher komplett davor zu verschließen. Lieber keinen Fehler machen. Fast täglich bin ich bisher kurz davor gewesen meinen Blog zu löschen, dem Internet den Rücken zuzukehren. Ja, das ist eine Option, die ich habe. Die Angst davor, hier Fehler zu machen, ist groß. Die Angst davor, nicht die Kontrolle zu haben. Kann man einen Blog schreiben, wenn man eigentlich vor der Konsequenz Angst hat, dass Jeder einen lesen kann? Ich denke, ja. Ich möchte keine Angst mehr haben. Ich möchte dort anfangen, wo ich die Kontrolle habe und das ist die Kontrolle über das, was ich schreibe. Ja, das Internet hat für uns alle eine große Unbekannte, die einem schnell Angst einjagen kann. Und dennoch: Ich möchte nicht aus Angst heraus handeln, sondern aus Achtsamkeit, Vorsicht und Entschlossenheit.

Ich möchte dort anfangen, wo ich die Kontrolle habe und das ist die Kontrolle über das, was ich schreibe.

Damit dies vielleicht besser gelingen kann habe ich mit meinem Mann daher folgende Vereinbarung getroffen, die mir helfen soll achtsam zu bleiben, was Entscheidung zu Veröffentlichungen, ganz besonders im Zusammenhang mit unserer Tochter, angeht.
Bei Bildern, die ästhetisch ansprechend sind und dazu beitragen Inhalte zu unterstützen, die ich gerne herüberbringen möchte, steht einer Veröffentlichung eigentlich erst mal nichts im Wege. Grundsätzlich möchte ich, wenn ich über meine Tochter erzähle, egal ob hier oder auf der Straße, eine liebevolle Haltung dabei einnehmen.
Zusätzlich frage ich mich zum Beispiel mittlerweile vor einem neuen Post immer: Warum willst du diesen jetzt veröffentlichen? Hin und wieder passiert es mir, dass ich mich dabei selbst entlarve, es um Likes oder Herzen für meine wunderhübsche Tochter und damit mein Ego geht und ich lösche diese, wenn ich es nicht bereits vorher gemerkt habe, einige Minuten nach der Veröffentlichung direkt. Ich habe hier mittlerweile ein sehr gutes Gefühl entwickelt und mein schlechtes Gewissen schlägt sofort Alarm, wenn ich hier nicht ganz im Reinen mit mir bin.
Daher: Ich denke es ist wichtig grundsätzlich feinfühlig zu belieben, bei jedem neuen Beitrag und sich nicht mit einer Entscheidung „Zensur von Gesicht und Namen“ zufrieden zu geben, und unter dieser so verlockend scheinenden Anonymität alles Preis zu geben.

Grundsätzlich möchte ich, wenn ich über meine Tochter erzähle, egal ob hier oder auf der Straße, eine liebevolle Haltung dabei einnehmen.

Warum ich eigentlich schreibe? Vielleicht ist dieser Text alleine in sich wiederum schon eine Antwort auf diese Frage. Ich versuche Worte zu finden, für Dinge, die mich beschäftigen, umtreiben, mein Leben prägen, um daraus zu lernen, reflektieren, neu zu begreifen und vielleicht regt es dann hier auch den ein oder anderen zum Denken an – das wäre schön, denn gemeinsam denken und sich darüber austauschen, ist schöner als alleine.
Lernen durch erleben, bedenken, beschreiben und beschwätzen – jetzt gerade mal öffentlich mit euch, morgen sieht das vielleicht schon wieder anders aus, denn wisst ihr was gut ist: Ich kann jeden Tag neu diese Entscheidung treffen, was ich mit euch teilen will und was nicht.

Warum ich eigentlich schreibe? Vielleicht ist dieser Text alleine in sich wiederum schon eine Antwort auf diese Frage.

Wir handhabt es ihr das mit Veröffentlichungen von euch selbst und euren Kindern im Internet? Und überhaupt: Warum schreibt ihr hier?

Ich bin Perfektionist

Ich bin Perfektionist

Ich bin Perfektionist. Was manchmal schon echt zwanghafte Züge annehmen kann. Ich räume lieber das ganze Besteckfach der Spülmaschine noch einmal um, als eine Gabel neben ein Messer zu legen, weil der bemessene Platz neben den fein säuberlich aufgereihten Gabeln für diese eine nicht mehr gereicht hat.
Ich bin Perfektionist. Ich habe geschlagene zehn Minuten damit verbracht den vorangegangenen Satz über Messer und Gabeln zu formulieren, zu löschen, wieder neu zu formulieren, um ihn schließlich noch einmal so abzuändern, dass er endlich passt – oder vielleicht doch nicht? Mit diesem Satz habe ich das selbe getan und mit allen weiteren die ich hier noch schreiben werde, wird es wohl genauso sein. Und am Ende bin ich immer noch nicht zufrieden…

Gestern in unserer Krabbelgruppe hatte eine Mutter, nachdem wir alle Babys im Morgenkreis singend begrüßt, die üblichen Reime und Fingerspiele durch exerziert und dann alle Kinder – bis auf meines – auf der Krabbeldecke mit ausreichend Spielzeug versorgt abgestellt hatten, einen Impuls für uns Mütter mitgebracht. In Wirklichkeit, müsst ihr wissen, ist unsere Krabbelgruppe gar nicht Livis Gruppe, sondern meine. Da mein Kind, wenn es zwischen 10 und 11 Uhr am Vormittag nicht gerade schläft, so müde ist, dass es von meinem Schoß aus, nur mit letzter Kraft und gegen die zufallenden Augen ankämpfend, gerade so noch das Geschehen auf der voll Leben bewuselten Decke betrachten kann. Ich hingegen trinke Tee, esse Kekse – im besten Fall sogar Kuchen – und habe alle Zeit der Welt mich mit Gleichgesinnten über alle Themen des Mamadaseins auszutauschen, bei denen andere Menschen ohne Kinder, meist nach einigen Minuten schon die Augenrollen.

Im besagten Impuls, ein Auszug aus einem Buch dessen Titel und Autor mir leider entging, da er im Streit der zwei ältesten der Gruppe auf dem Teppich um die heißbegehrte Rasselgiraffe unter ging, berichtete eine Mutter darüber, wie unglücklich sie der tägliche Vergleich mit der perfekten „Super-Mom von nebenan“ mache. Nach seitenlanger Jammerei, bei der die Super-Mom von nebenan ganz schön einstecken musste, kam sie schließlich zu dem Schluss, dass sie, der Super-Mom zum Trotz, nicht so perfekt sein müsse. Sowieso, in den Augen ihres Kindes, sei sie auch ungeschminkt, mit ungewaschen Haaren, unaufgeräumter Küche und den sich häufenden Wäschebergen im Keller perfekt! Allein der Blick ihres Kindes, darauf käme es an.

Im anschließenden Gespräch stellte sich heraus, dass sich durch den Text die anwesenden Mütter unglaublich ermutigt fühlten und alle waren sich einig: Nein, so eine, wie diese Super-Mom, wollte man ganz sicher nicht sein. Alle waren sie mit diesem Ergebnis zufrieden. Alle, bis auf mich.

Den ganzen Text über hatte ich mich mehr und mehr Super-Mom solidarisch gefühlt. Irgendwie tat sie mir unglaublich leid. Was konnte sie denn dafür, dass andere sie sich als Maßstab setzten. Ob sie überhaupt wusste, dass andere sie für Super-Mom hielten? Bestimmt war diese Frau nur eine in sich selbst gefangene Perfektionistin, die gar nicht anders kann als dort, wo sie ihre Stärken sieht, gleichzeitig immer auch das Beste zu geben. Auf einmal sah ich sie vor mir: Super-Mom, weinend in ihrer wunderschön aufgeräumten Wohnung, irgendwann an ihrem eigenen Perfektionismus zerbrechend. Sah denn niemand, dass Super-Mom selbst am aller meisten unter sich selber litt?
Super-Mom kann in der Öffentlichkeit kein Tragetuch binden ohne den Gedanken daran, dass vielleicht gleich eine Trageberatung um die Ecke kommt, die ihr sagt, dass dieses Tuch, aber nicht perfekt gebunden ist. Super-Mom kann ihrem Kind kein gekauftes Gläschen füttern, denn sie leidet daran, dass sie diesen Brei nicht selbst gekocht hat. Super-Mom muss einfach perfekt sein, nicht nur in der Öffentlichkeit, auch in den eigenen vier Wänden. Und das nicht, für irgendjemand anderen, nein von einem inneren Zwang getrieben, alleine für sich selbst. Selbst nie zufrieden mit dem eigenen Ergebnis. Nie in der lange die selbstgesteckten Maßstäbe zu erreichen. Und darunter leidet sie. Still und heimlich, bis zu dem jetzigen Zeitpunkt nicht einmal im Bilde darüber, in den Augen anderer womöglich die wahrhaftige Super-Mom zu sein. Vom Perfektionismus getrieben – unfrei!

Ich bin Perfektionist. Immer wieder hadere ich damit nicht perfekt zu sein. Besonders schwer fällt mir das in den Bereichen, in denen ich auch wirklich davon überzeugt bin gutes Leisten zu können. Auf meine Rechtschreibung und Zeichensetzung, zum Beispiel, gebe ich nicht viel. Ich habe erkannt und eingesehen, dass ich hier wirklich ernsthafte Defizite habe. Jedoch bin ich, zum Beispiel, davon überzeugt, dass ich eine gute Mutter bin und wo ich gut bin, will ich normalerweise auch perfekt werden. Gestern in meiner Krabbelgruppe jedoch habe ich Super-Mom kennen gelernt. Sie saß stillschweigend zwischen all den anderen Müttern, ihr perfektes Kind betrachtend, dass natürlich das hübscheste der Gruppe war, in denen von ihr selbst genähten Kleidern sowieso. Normalerweise ist sie ja diejenige, die sich am intensivsten an den Diskussionen beteiligt. Gestern jedoch saß sie einfach nur da und lauschte, machte sich ihre Gedanken und beschloss am Nachmittag beim Einräumen der Spülmaschine, die übrig gebliebene Gabel, aufgrund des zu knapp bemessenen Platzes, einfach mal neben den Messern einzuräumen.